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Therapeutisches Flossing (TF)

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Im Frühjahr 2014 hatte Herr Ralf Blume, selbst Physiotherapeut und Betreuer des Fußballclubs Hannover 96, starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Schultergelenk. Keine Behandlung half, und so begann er im Internet nach Therapiemöglichkeiten zu recherchieren. Dabei stieß er auf Dr. Kelly Starrett, einen amerikanischen Physiotherapeuten. Er betreibt mit seiner Frau ein Fitnessstudio, das auf Trainingsmethoden des „functional training“ basiert. Außerdem hat er den Bestseller „Werde ein geschmeidiger Leopard“ geschrieben, in dem er einige unspezifische Gelenkanlagen aus dem sogenannten Flossing für die Extremitäten beschreibt. Bei dieser Methode bindet man lokal seine Muskeln oder Gelenke direkt ab und bewegt dann das betroffene Areal, um dadurch eine bessere Gelenkbeweglichkeit und Schmerzreduktion zu erreichen.

Beim Therapeutische Flossing hat das Abbinden besondere Ziele: Es soll Schmerzen lindern und Beweglichkeit verbessern. Hierfür verwendet man ein Flossing Band, ein dehnbares Latexband. Der Therapeut beim TF bindet das Areal großflächig ab. Ziel des MF ist eine verbesserte, schmerzfreie Beweglichkeit. Das Latexband bewirkt durch die elastische Kompression und die durch die Bewegung auftretenden Scherkräfte, dass sich Spannungen im Gewebe schnell ändern können. Somit eignet sich das TF sehr gut, um den Tonus, besonders des myofaszialen Systems, zu normalisieren. Die Reibung des Flossing Bandes stimuliert die Mechanorezeptoren, was die Weiterleitung der Nozizeption auf Rückenmarksebene inhibiert. Da das TF mit Druck und Zugbelastungen arbeitet, beeinflusst es – wie jede andere Technik, die auf diese Weise Gewebe stimuliert – zelluläre Prozesse über die Mechanotransduktion.

Bei dieser werden mechanische in biochemische Signale umgewandelt. Drei Wirkmechanismen spielen eine Rolle. Durch das Material des Bandes, den entstehenden extern induzierten Druck und die kohäsive Kraft des Bandes gegenüber der Hautoberfläche und dem subkutanen Gewebe in Verbindung mit aktiver oder passiver Bewegung kommt es unserer Meinung nach beim TF zu drei weiteren Effekten, die aus den Trainingswissenschaften bekannt sind: dem Schwammeffekt, dem Kinetic Resolve und der subkutanen Irritation. Diese drei Effekte wirken auf das Lymphsystem, auf das myofasziale und das vegetative System: Aufgrund der Beobachtungen entsteht der Schwammeffekt durch die hohe Kompression auf das Gewebe. Der venöse Rückstrom wird nahezu vollständig blockiert, der arterielle Zustrom um ein Vielfaches gehemmt.

Dadurch werden das extrazelluläre Gewebe, die Muskelzellen und das Endomysium „ausgepresst“, sodass lymphpflichtige Lasten und weitere Abfallprodukte dem Lymphsystem zugetragen und abtransportiert werden können. Nach Entfernen des Flossing Bands entsteht eine Hyperämie, die das extrazelluläre Gewebe, den Muskel und die Faszien mit Flüssigkeit und Energie (Sauerstoff, ATP, Hormone) versorgt. Im Gelenk fördert das TF durch den Schwammeffekt die Resorption der Synovia und verbessert somit die Trophik des intraartikulären Gewebes. Dieser Effekt ist vor allem bei akuten Verletzungen mit Schwellungen hilfreich. Das Kinetic Resolve beschreibt die mechanische Wirkung vor allem auf das myofasziale System. Das TF löst die inter und intrafaszialen Crosslinks, die ein Faktor für Bewegungseinschränkungen und für verminderten neurovaskulären Durchfluss sein können.

Während des TF verschieben sich die Faszienschichten und das subkutane Gewebe gegeneinander sowie gegen angrenzende Muskeln, Knochen und Gelenke. Dies führt zu einem schmerzhaften Durchbrechen der Crosslinks, wodurch sich die Beweglichkeit unter den Gewebsschichten und weiterlaufend auch in den angrenzenden Gelenken verbessert. Für die Schmerzreduktion ist die subkutane Irritation einer der wichtigsten Effekte. Den theoretischen Hintergrund dafür bildet die Gate-Control-Theorie. Wie bereits von vielen anderen Techniken bekannt, lässt sich durch die Reizung von Mechanorezeptoren mittels Druck und Bewegungsimpulsen eine noziTherapeutisches Flossing am Kniegelenk. Der Therapeut passt die Anlage individuell an. Dann behandelt er den Patienten manuell oder lässt diesen sich bewegen. Physiotherapiezeptive Hemmung im segmentalen Hinterhorn des Rückenmarks erreichen.

Das MF erreicht dies durch den Abbindedruck und die beim Bewegen entstehenden Zugkräfte auf die Haut. Der Therapeut passt den Druck, die Anlage selbst sowie die anschließende Bewegung oder begleitende Intervention individuell an und verändert so die Gewichtung des Schwammeffekts, des Kinetic Resolve und der subkutanen Irritation. Die Behandlung ist schmerzhaft. Das TF können Therapeuten ergänzend in der Physiotherapie, Manuellen Therapie und Osteopathie einsetzen. Die Methode kann sehr schmerzhaft sein. Häufig zeigen sich nach der Behandlung Hämatome, Quaddeln oder ähnliche Folgen. Daher empfiehlt es sich, eine Einverständniserklärung des Patienten einzuholen. Dies ist nicht ausdrücklich nötig, zeugt aber von einem professionellen Auftreten. Wichtig ist in jedem Fall, den Patienten über mögliche Folgen aufzuklären. Der Therapeut kann die Anlage des Flossing Bandes allerdings je nach Nebendiagnose anpassen.

 

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